Im historischen Zentrum von Bauschheim, vor der evangelischen Kirche, startete die Gruppe und musste sich schon nach dem vierten Haus in selbiges flüchten, denn ein starker Regen setzte ein. Die 20 Teilnehmer hatten aber Glück, befand man sich jetzt doch im ehemaligen Gasthaus „Zum kühlen Grund”, was Horst Guthmann gleich zu vielen Anekdoten animierte, die sich meistens um das Schneider-Gretche drehten. Auch sonst wusste er in seiner lockeren Erzählart sehr viel über die Personen zu berichten, die in den Häusern lebten, an denen man vorbeiging, und deren Geschichte und Besonderheiten alle zur Sprache kamen. Für Horst Guthmann ein Leichtes, ist er doch selbst ein „Bauschemer Bub” und kennt von klein auf jedes Gehöft.
So konnte Pfarrer Mohn im alten Pfarrhaus kurz vor Kriegsende deutschen Soldaten eine Zuflucht geben, berichtete er. Beim Schneider-Gretche und in der Krone hatten dann die Amerikaner ihre Amtsräume eingerichtet, und in jüngerer Zeit war es üblich, dass der Gemeinderat nach seinen Sitzungen in den „Kühlen Grund“ ging, um dort die eigentliche Politik zu machen, wie Guthmann schmunzelnd erklärte. Im Obergeschoss war die „Drescherstubb“, weil hier während der Erntezeit Männer aus Oberhessen wohnten, die beim Dreschen der Frucht halfen. Nach den Treibjagden sei man ebenfalls hier zusammengekommen und habe lange gesessen, denn der Graf von Erbach war der Jagdpächter und er habe alle freigehalten.
Den baulichen Wandel der Gebäude und damit oft verbunden deren geänderte wirtschaftliche Nutzung war ein weiterer Schwerpunkt der Führung, die dieses Mal auch weit in die Lengfeldstraße reichte. Dort wohnte im ersten Haus der Friseur Oswald Treber, bekannt als Solist bei den Mainzer Hofsängern. „Wenn mer die Aache zumacht, kann mer sich dess vorstelle”, erklärte Guthmann vor Haus Nummer 8, denn dort sei der Faselstall gewesen, neben dem der Schlauchturm der Feuerwehr stand. Auch war hier zuletzt die Gemeindewaage.
Gleich daneben steht heute der Kindergarten, in dessen hinterem Bereich der alte Kindergarten noch erhalten ist. Nach wechselhafter Nutzung war er zuletzt ein Seniorentreff und steht jetzt leer. Östlich davon waren der Dreschplatz und ein Handballfeld. Im kleinen Häuschen am Friedhof stand der Leichenwagen, bis dieser nicht mehr gebraucht und andernorts zweckentfremdet als Taubenschlag benutzt wurde.In der Gruppe war auch der Bauschheimer Archäologe Jürgen Hubbert, der sein Wissen über die Frühgeschichte und die Bodenfunde in der Bauschheimer Gemarkung beisteuerte. Den Stein auf der Friedhofsmauer mit der muschelähnlichen Darstellung hält er für einen ehemaligen Grabsteinbesatz aus dem Barock.