Plauderrunde Bürgerhaus

Bildervortrag und Plauderrunde zum Thema "Gaststätten früher in Bauschheim" 01.06.2009
 
Die "Liebeidel" beim "Schneider-Gretche"
Bauschheim: 250 Besucher tauchen ein in die Gaststätten-Vergangenheit des Stadtteils - Zeitreise mit "Für Bauschheim"


Über 250 Besucher erfreuten sich am Pfingstmontag im Bauschheimer Bürgerhaus bei der zweiten Bilder-Schau des Vereins "Für Bauschheim", bei der es dieses Mal um Gaststätten ging.

14 ehemalige und derzeitige Lokale wurden mit den Gebäuden, aber vor allem mit den darin lebenden und feiernden Menschen gezeigt, und das Rätselraten der Namen manch eines Abgebildeten konnte vom aufmerksamen Publikum gelöst werden.

"Für Bauschheim"-Vorsitzender Wolfgang Jung und Vorstand Horst Guthmann moderierten und beschrieben die vom Verein aufbereiteten Bilder, die zahlreiche Bauschheimer zur Verfügung gestellt hatten. Auf einer großen Leinwand konnten sie nun auch von sehschwachen Personen wieder klar erkannt werden. Erinnerungen an Vereine und Stammtischgesellschaften wurden wach, aber auch an gute Schnitzel und andere Gaumenfreuden.

Das alte Gasthaus "Zur Eiche" wurde als erstes vorgestellt, mit dem "Union Bier-Schild" im Hintergrund, den dort verkehrenden Hand- und Fußballmannschaften und den alten Wirten. Zum Schluß war Erna Werner die Eiche-Wirtin. Heute heißt das umgebaute Lokal "Pension Jyl".

 
"Zum kühlen Grund" von Philipp Laun mit seinen urigen Räumlichkeiten und der Anzeige aus dem Gesangverein-Festbuch von 1913, in der "Rein gehaltene Weine" angepriesen wurden, hieß das Gasthaus, das dann mit der Wirtin "Gretchen" bekannt war und nach dem Krieg ein Kino hatte. Heute ist dort das "Trauzimmer" untergebracht. Einer Preisliste zur Kerb nach dem Krieg sind nicht nur die leckeren Speisen, sondern auch die moderaten Preise zu entnehmen. Beim "Schneider-Gretchen" gab es immer Gelegenheit zum Austausch von Neuigkeiten, auch wenn sie vom Stammtisch "Die Liebeidel" (Lügenbeutel) kamen. Ein Lied dieser Gruppe endet in dem Vers "Wie schön ist die Geselligkeit in diesem kühlen Grund, wie schnell vergehet doch die Zeit in dieser frohen Rund'", was freilich auch für andere Lokale zugetroffen haben dürfte.

Auch der "alte Schützenhof" inserierte schon 1913 mit "Mainzer Aktien-Bier, hochfeine Qualitätsbiere, hell und dunkel", während der "neü Schützenhof" die Poststelle beherbergte. Dort gab es den Tanz um den Schornstein im Saal, und manches Brautpaar feierte dort seine Hochzeit. Viele Gesellschaften hatten dort ihr Stammlokal, so die Schützengesellschaft "Eichenlaub" und die Gruppe "Edelweiß" mit ihrem Zieharmonika-Spieler. Eine Nachfahrin wurde am Tage der Bilderschau 87 Jahre alt.

Das "Lustige Eck", später "Gasthaus zur Post" mit dem Inhaber Johann Hartung und dann der Familie Wolf, hatte sogar eine Kegelbahn, wo es auch eine Damen-Kegelrunde gab. Dort wurde Binding Bier ausgeschenkt. Der Heimatvertriebene Seppel Braun gründete 1963 seine Kneipe "Zum Seppel" und war sehr in das Bauschheimer Leben integriert und Aktiver der Feürwehr, was jedoch nicht verhinderte, daß sein Lokal abbrannte. Schnell war es aber wieder aufgebaut.

Wo kommen überhaupt Gasthäuser her, fragte der Verein. Ein kurzer Vortrag über die Entwicklung vom Gastrecht und der Gastungspflicht seit den Germanen gab Antwort. Erst mit Napoleon zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden die Gasthäuser in unserem Sinne: Die Bürger nutzten die napoleonischen Freiheiten, gründeten Vereine, die Räume für ihre regelmäßigen geselligen Treffen brauchten. Deswegen weckten Gasthäuser so viele Erinnerungen, weil für viele ein Stück des eigenen Lebens sich dort abspielte. Die "Krone", deren "Kotelett, Rippchen und Brote" bei vielen noch in lebhafter Erinnerung sind, beherbergte nicht nur die Gesellschaft "Alpenröslein", sondern besonders nach dem Krieg auch viele Jahrgänge der Kerweborsch, von denen mancher im Publikum saß. Vor der Krone wurde sehr lange der Kerwebaum gestellt, und die "Jo-Lukas-Kapelle" lockte alle zwei Wochen die weibliche Jugend eines weiten Umkreises zum Tanz hierher.
 

Die "Waldeslust" hingegen ist kaum noch bekannt, sie war im ersten Neubaugebiet von 1895 bis 1905 "hinter den Baürngärten" errichtet worden. Nach dem Ersten Weltkrieg waren französische Soldaten dort beim Wirt Adam Meixner einquartiert, der später mit seinem Lkw Bauschheimer Produkte auf dem Frankfurter Markt verkaufte.

Ebenfalls in der Festschrift von 1913 erscheint das "Waldrestaurant "Zur Erholung" mit einem Karpfenteich, einem Vogelteich und einer Liebesinsel. Die Gewäßer wurden beim Bau der Eisenbahn ausgehoben und fielen mit dem Betrieb des Pumpwerks Schönaür Hof dann trocken. Das Lokal befand sich in der Nähe des Motorsportgeländes.

1962 wurde das Bürgerhaus erbaut, das in den ersten vier Jahren von der Gemeindeverwaltung bewirtschaftet wurde. "Die Frau" war eine besondere Wirtschaft, die von 1993 bis 2002 bestand, und die Rettung der namensgebenden Skulptur war Anlaß einer der zahlreichen Schnurren während des Oberbürgermeisterwahlkampfs von 2005, mit einem - letztlich dann doch erfolglosen - Frankfurter CDU-Kandidaten als nimmermüde Triebfeder.

Die 1976 errichtete "Steinmarktklause" ist das jüngste noch bestehende Lokal des Stadtteiles. Bei der dortigen Fensterrenovierung vor drei Jahren wurde in den Leibungen ein Rüßelsheimer ECHO von 1976 aus Füllmaterial entdeckt. Der Verein setzt die Bilderschaün fort und erbittet zugleich weiteres Fotomaterial.

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