Allgemeines

In dem kleinen Buch „Streifzüge durch die Bauschheimer Geschichte – 25 Jahre Rüsselsheim-Bauschheim“, das 1995 erschienen ist, findet sich folgender Text zur Kerb:

„Die traditionelle Kirchweih fand in früheren Zeiten – als Bauschheim noch katholisch war und einer der beiden Kirchenaltäre dem heiligen Michael geweiht war – stets am Michaelstag statt, dem 29. September. Mit den Anforderungen der Industrialisierung verschwanden solche lokalen Festtage oder wurden auf das nachfolgende Wochenende verschoben. So fand auch die erste Kerb nach dem Zweiten Weltkrieg am letzten Wochenende des Septembers 1948 statt. Schon Monate vorher wurde die Kerb von den Kerweburschen vorbereitet, kurz vor dem Wochenende dann der Kerwekranz vor dem Bauschheimer Dorfgemeinschaftshaus hochgezogen und von den Kerwe-Burschen die Kerb (in Form einer Weinflasche) am Brückel ausgegraben. Sonntags veranstaltete man das „Gickelschlagen“, wenngleich schon lange nicht mehr mit verbundenen Augen nach einem Hahn sondern mit Luftballons geschlagen wird. In den 70er Jahren hatten sich auch die Kerwebräuche weitgehend aufgelöst, nur noch das Aufstellen von Kerwe-Bäumen vor den Gaststätten wurde beibehalten. Erst 1982 fanden sich wieder Jugendliche bereit, an der Gestaltung des Festes teilzuhaben.“

Wir sind sehr froh, dass sich seitdem regelmäßig junge Leute finden, die sich im Rahmen der Kerb engagieren und diese Tradition aufrechterhalten. Damit die Tradition auch weiterleiben kann, freuen wir uns über jeden, der sie hier engagieren möchte.

Hier unser aktuelles „Kerwe-WIKI“:

Der Kerwevadder

Der Kerwevadder führt vor und während der Kerb eine zentrale Funktion aus. Zu erkennen ist er an der zweiten Schleife, die er zusätzlich zur Schleife eines Kerweborsch trägt. Bei ihm laufen die Fäden zur Organisation der Kerb zusammen. Er wird in jedem Jahr neu gewählt und muss über mindestens ein Jahr Kerweborscherfahrung verfügen. Eine Wiederwahl ist grundsätzlich möglich.

Die Kerweborsch

Kerweborsch kann jeder junge Mann ab 16 Jahren werden, der sich mit viel Herzblut dafür engagieren möchte, dass die Kerwetradition noch viele Jahre erhalten bleibt.

Die Kerweborsch müssen weit mehr leisten, als mancher denkt. So helfen sie beispielsweise beim Aufbau der Bühne auf dem Kerweplatz und des Zeltes beim Obst- und Gartenbauverein. Sie schmücken das Bürgerhaus und übernehmen viele Arbeiten im Rahmen der Vorbereitung zur Kerb, hierzu gehören ebenso die Suche nach Sponsoren wie auch die Erledigung des nicht unerheblichen administrativen Aufwandes im Rahmen der Kerb.

Über das ganze Jahr fallen weitere Arbeitseinsätze – beispielweise auf dem Bauschheimer Weihnachtsmarkt oder ihm Rahmen der Unterstützung von sozialen Projekten und weiteren Veranstaltungen im Ort an.

Teamgeist wird hier großgeschrieben. Es muss angepackt werden, aber auch der Spaß kommt nicht zu kurz.

Die Kerwemudder

Die Kerwemudder repräsentiert an der Seite des Kerwevadders die Kerwemädchen. Auch sie haben vor und während der Kerb alle Hände voll zu tun. Die Koordination der Aktivitäten der Kerwemädchen wird von der Kerwemudder übernommen. Auch die Kerwemudder trägt eine Schleife, an der sie zu erkennen ist.

Die Kerwemudder wird vom Kerwevadder benannt. Mit ihr zusammen eröffnet er den Kerwetanz am Samstagabend.

Die Kerwemädchen

Sie unterschützen die Kerweborsch während der Kerb und übernehmen zusammen mit ihnen Aufgaben. Sie tanzen, nachdem Kerwevadder und -mudder den Tanz im Bürgerhaus eröffnet haben, den zweiten Tanz des Abends, bevor die anderen Gäste auf die Tanzfläche kommen. Ebenso gestalten sie die Kerweshow aktiv mit.

Sie begleiten den Kerweumzug am Sonntag und verkaufen den alljährlichen Kerwespruch.

Der Mundschenk

Während des sonntäglichen Umzuges versorgt er das am Wegesrand stehende Publikum mit Wein. Zu erkennen ist der Mundschenk an der Lederschürze und der allseits präsenten und zum Ausschank bereiten Weinflasche.

Die Fahnenschwenker

Hier sind Muskelkraft und Kondition gefragt. Die Aufgabe der beiden Fahnenschwenker ist es, während der Kerb bei allen anstehenden Aktivitäten die große Fahne zu tragen und zu schwenken. So sorgen beim festlichen Einzug ins Bürgerhaus sowie beim Kerweumzug für einen Blickfang.

Der Kerwewatz

Am Ende einer jeden Kerb wird von den Kerweborsch ein Kerwewatz bestimmt. Er ist während der Dauer der Kerb durch eine lustige Begebenheit oder Aktion aufgefallen, über die noch lange geschmunzelt wird. Der Kerwewatz wird an Nachkerb bekannt gegeben. Als „Auszeichnung“ erhält er eine schwarze Rose für seine Kappe sowie eine schwarze Schleife mit der Aufschrift „Kerwewatz“.

Die Kerb ausgraben

Am Freitag vor dem Beginn der Kerb muss die Kerb im wahrsten Sinne des Wortes „ausgegraben“ werden. Die Vorjahreskerb wurde in Form eines versiegelten Behältnisses – einer modernen Form der hier ursprünglich verwendeten Weinflasche - an einem geheimen Ort versteckt und dort vergraben. Mit Hilfe einer Art „Schatzkarte“, die in die Kappe des Kerwewatzes aus dem Vorjahr gezeichnet wurde, wird sie hervorgeholt. Um Mitternacht marschieren die Kerweborsch in die Gaststätte „Zur Krone“ ein und freuen sich zusammen mit den dort anwesenden Gästen auf das Fest.

Der Kerwebaum

Er wird am Morgen des Kerwesamstag im Wald geschlagen und ans Bürgerhaus gebracht, um ihn dort mit vereinten Kräften aufzustellen. An ihm wird der Kerwekranz, an dem (künstliche) Würste befestigt sind, angebracht. Zusätzlich wird er mit blau-weißen Bändern geschmückt und weist so jedem im Ort den Weg zu den Feierlichkeiten am Bürgerhaus.

Am Abend der Nachkerb wird der Baum verlost. Es ist üblich, dass der Gewinner des Baumes die Kerweborsch im Laufe des folgenden Jahres zum „Baumessen“ einlädt.

Kerwetanz

Er findet samstags im Bürgerhaus statt. Ab 20:00 Uhr wird bei Livemusik in altbewährter Art und Weise das Tanzbein geschwungen, bevor um Mitternacht die alljährliche Show der Kerweborsch- und mädchen aufgeführt wird.

Nach der Show legt seit einigen Jahren ein DJ auf und sorgt bis in die frühen Morgenstunden für tanzbare Musik.

Die Kerweshow / die Mitternachtsshow

Mit ihr findet der Kerwetanz um Mitternacht seinen alljährlichen Höhepunkt. Bereits Monate vorher wird in jedem Jahr mit viel Kreativität ein neues Konzept entworfen. Es muss viel trainiert und geprobt werden, um das Publikum immer wieder neu zu begeistern. Das Engagement der Kerweborsch und -mädchen sowie der Trainerinnen wird in jedem Jahr mit tosendem Beifall und guter Stimmung belohnt.

Kerwegottesdienst

Der sonntägliche Gottesdienst in der evangelischen Kirche bietet an diesem besonderen Tag ein etwas anderes Bild als sonst üblich. Zu Beginn ziehen die Kerweborsch in die Kirche ein und begleiten den Gottesdienst. Die beiden Fahnenschwenker stehen neben dem Altar, während ihre Mitstreiter auf den Bänken Platz nehmen.

In diesem Zusammenhang ist zur erwähnen, dass es unsere Frau Pfarrerin in jedem Jahr anerkennt, dass „ihre“ Kirchweihbuben trotz Müdigkeit und anderer Befindlichkeiten meist vollzählig zum Gottesdienst erscheinen. So manche Unaufmerksamkeit nimmt sie mit einem Schmunzeln zur Kenntnis.

Giggelschlagen

Nach dem Kerwegottesdienst findet auf dem Schulhof der Otto-Hahn-Grundschule das Giggelschlagen statt. Hier können sich Gäste bei Speis und Trank stärken. Eine besonderer Spaß ist das Giggelschlagen besonders für Kinder, die mit verbundenen Augen versuchen, den „Giggel“ in Form eines Luftballons zu treffen. Die Zuschauer geben lauthals Tipps wohin zu schlagen ist. Wird der „Giggel“ getroffen, gibt es einen kleinen Preis.

Kerweumzug

Der traditionelle Umzug findet im Anschluss an das Giggelschlagen durch die Bauschheimer Straßen statt. Hier nehmen neben den Kerweborsch auch befreundete und Bauschheimer Jubiläums-Kerweborsch sowie Vereine teil. Begleitet wird er vom SKG-Musikzug.

Angeführt wird der Umzug vom Kerwevadder, der an einigen Stationen Halt macht und den Kerwespruch verliest.

Kerwerätsel

In jedem Jahr denken sich die Kerweborsch ein Kerwerätsel aus und veröffentlichen dieses im Kerwespruch. Die Auflösung des Rätsels erfolgt an der Nachkerb. Hier ist ein Preis zu gewinnen.

Die Nachkerb

Ein Wochenende nach den Hauptaktivitäten zur Kerb findet diese weitere Feierlichkeit im Bürgerhaus statt. In den letzten Jahren wurde sie im Rahmen eines Oktoberfestes im ausgerichtet. An diesem Abend laufen die amtierenden Kerweborsch zusammen mit den Jubiläumskerweborsch in das Bürgerhaus ein. Im Laufe des Abends werden Anekdoten zur Kerb erzählt und der Kerwewatz gekürt.

Am Abend gibt es eine Tombola. Preise hierfür werden freundlicherweise von Sponsoren gestellt. Ebenso erfolgt die Auflösung des Kerwerätsels.

Sonntags findet ein Nachkerwefrühschoppen auf dem Gelände des Obst- und Gartenbauvereins mit Gottesdienst statt, der alljährlich einen guten Anklang findet.

Das Eierbacken

Das Eierbacken findet traditionell an Nachkerb im Hause des Kerwevadders statt. Hier findet die fröhliche Feier einen schönen Ausklang, während oft schon die Sonne aufgeht. Die Kerwegemeinschaft und Gäste mit guter Feierkondition stärken sich mit gebackenen Eiern und allerlei herzhaften Kleinigkeiten, bevor sie glücklich und sehr müde nach Hause gehen.

Die Kerb begraben

Am Ende einer jeden Kerb muss diese leider auch wieder begraben werden. Das bereits beschriebene Behältnis wird mit einigen Andenken an die aktuelle Kerb gefüllt und an einen geheimen Ort verbracht, um dort knapp 12 Monate zu bleiben, um zu Beginn der nächsten Kerb wieder ausgegraben zu werden.

Das Team hinter dem Team

Federführend bei der Ausrichtung der Kerb ist der Verein „Für Bauschheim e.V.“.

Auch im Hintergrund tragen viele helfende Hände zum guten Gelingen der Kerb bei. Gastronomen, Vereine, Gewerbetreibende und viele Privatleute engagieren sich bei den Vorbereitungen. Nicht zuletzt sorgen auch die Familien der Kerweaktiven dafür, dass jederzeit passende saubere Kleidung vorhanden ist und sich die jungen Leute nach einem anstrengenden Arbeitseinsatz oder einer anstrengenden Nacht bei einer ordentlichen Mahlzeit stärken können.