Ortsgeschichte  
 

Rund um unseren Beisitzer des Vorstandes Herrn Horst Guthmann haben sich Freunde gesammelt, die sich der Aufarbeitung und Erhaltung der Bauschheimer Ortsgeschichte verschrieben haben.

Hier möchten wir Sie zukünftig ein wenig über die Geschichte unseres Ortes und die Arbeiten dieser "Hüter der Tradition" informieren!



Bilder gesucht

Haben Sie noch alte Bilder aus Bauschheim von Feierlichkeiten, Häusern, Geschäften, Gewerbe, Straßenzügen, Vereinsaktivitäten, Gaststätten, Familienfeiern, Konfirmation, Hochzeiten, Schulbilder, Gruppenfotos, Familienfotos, Gewerbe, usw...........

Es wäre schön, wenn Sie uns diese Bilder zur Verfügung stellen würden. Wir geben die Bilder, nachdem wir diese eingescannt und digitalisiert haben, unversehrt zurück. Die Bilder werden, mit der Angabe der Quelle, in unser Archiv aufgenommen. Tragen Sie aktiv dazu bei, dass die Bauschheimer Geschichte für künftige Generationen dokumentiert und erhalten bleibt.

Abgabe:
Genossenschaft Bauschheim
bei Horst Guthmann
Wolfgang Jung
Im Dorfband 37

Vielen Dank!!!

Bauschheimer Gemarkungskarte

Die Karte von Bauschheim wurde von Frau Senska, Leiterin des Stadtarchivs, 2010 entdeckt. Die Karte wird heute im Rüsselsheimer Stadtarchiv, Abteilung Bauschheim, aufbewahrt. Sie zeigt Bauschheim und seine Umgebung. Sie ist leider nicht datiert, dürfte aber um 1700 angefertigt worden sein. Da die Kirche im Plan nicht gezeigt wird, könnte man vermuten, dass die Karte zu der Zeit gezeichnet wurde, als die heutige Kirche in der Planung war.
Von dem Schreiber dieses Berichtes wurde der Kern der Karte, der die Bebauung zeigt, maßstäblich (M.: 1:1000) auf einen Auszug des Katasteramts übertragen. Auffallend ist, dass auf dem Gelände der Kirche (s.o.) kein Gebäude gezeigt wird und dass die südlichen Häuser nur im Straßenbereich aufgenommen wurden. Die hinteren Grundstücksgrenzen und der angrenzende Bereich werden nicht dargestellt. Normalerweise verliefen die Grundstücke der Landwirte bis in den Straßenbereich und konnten somit als „private Parkplätze“ in der Erntezeit genutzt werden. Möglicherweise sollte die Karte dazu dienen, die Straße als Gemeinschaftseigentum auszuweisen und die Grundstücksgrenzen neu festzulegen. In diesem Zusammenhang ist auffallend, dass die heutigen Grundstücksgrenzen der nördlichen Häuser im Vergleich zur alten Karte, alle nach Norden „verlängert“ wurden. Diese Grundstücksverlängerung könnten als Ausgleich für die enteigneten Flächen auf der Brunnenstraße gedient haben.

Brückelwiese

Auf dem alten Plan sucht man die „Pfälzerstraße“ und die Strasse am „ An der Brückelwiese“ vergeblich.
Nach Angaben von Horst Guthmann wurde die Pfälzerstrasse erst in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg angelegt.
In der Brückelwiese Nr. 5 steht heute noch ein Fachwerkhaus, das ein überkragendes Fachwerk mit Verzierung unter dem Verputz nur erahnen lässt. Auch der weitere Verlauf der Strasse in Richtung Süden, in dem noch heute eine Strassenverjüngung zu erkennen ist, deutet auf einen alten Stassenverlauf hin. Ein ähnlicher Verlauf ist in der Backesgasse zu beobachten. Die Strassenverengungen wurden zur besseren Verteidigung häufig in Dörfern angelegt und konnten mit einem Tor verschlossen werden.. Der Name der Strasse deutet darauf hin, dass noch in historischer Zeit der Altlauf des Mains (parallel zum „Dorfband“) Wasser führte und mit einer kleinen Brücke überspannt war.
Warum die Strasse „An der Brückelwiese“ im alten Plan nicht gezeigt wird, ist momentan nicht zu erklären.

Backesgasse

Nach Interpretation des alten Plans stehen zwei Häuser östlich, parallel am Anfang der Backesgasse. Das vordere Haus wurde wohl spätestens abgerissen, als 1773 das Rathaus mit Schule – heute Schmiede genannt- gebaut wurde.
Möglicherweise wurde zu dieser Zeit auch das Haus Backesgasse 17 abgebaut und dann, um 90° gedreht, wieder aufgebaut. Bei der Renovierung des Hauses kam bereits 1980 der Verdacht auf, dass das Gebäude sekundär wiedererrichtet worden war: Ein Brunnenfund in der Mitte (!) der Hofeinfahrt und der Fund einer Senkgrube im Gebäude, deren Mauern neben den Gebäudemauern lagen, unterstützten die Hypothese. Vielleicht wurde das andere Haus in der Backesgasse, das anstelle des alten Rathauses abgebaut wurde, in der Brückelwiese wieder aufgebaut…

Kirche

Die Grenze des Kirchengeländes liegt auf dem alten Plan ca. 12 m östlich und schneidet das heutige Gebäude. Die Annahme, dass anstelle der heutigen Kirche ein kleineres Kirchengebäude gestanden haben muss, ist sicher richtig. Ein zu der damaligen Kirche gehöriger Friedhof, könnte der bekannte fränkische Friedhof am östlichen Ende der Baumstrasse sein.

Kirchenmauer

Auch zur Entstehung der Kirchenmauer, können dem Plan neue Erkenntnisse entnommen werden: Beim Bau der Kirche, wurde das Gelände um die Kirche aufgefüllt, ähnlich wie in den Kirchen in Trebur und Königstädten. Über lange Zeiträume hat der Frost den Boden bewegt und die Mauern nach außen gedrückt. Deshalb hat man zu einem heute nicht bekannten Zeitraum die Mauern von der Außenseite her mit Stützmauern verstärkt. An Hand der Mauertechnik kann man vor Ort deutlich erkennen, dass die Stützmauern nicht im Verbund, sondern später angebaut wurden.
Da der Bereich neben der östlichen Mauer als Zufahrt diente, konnte die Mauer nicht mit Stützmauern ausgesteift werden, weil wegen der entstehenden Verengung, die Zufahrt nicht mehr breit genug gewesen wäre. Deshalb hat man die Mauer - beginnend dicht hinter der Ecke - mit großen, rechteckigen Quadern aus Kalkstein erneuert. Diese sollten einen besseren Halt gegen das drückende Erdreich garantieren.
Auch die Mauer auf der Westseite des Kirchengeländes muss neueren Datums sein: Auf dem alten Plan deckt ihre Lage sich nicht mit der Grenze des Kirchengeländes. Die Mauertechnik – bestehend aus kleinformatigen Steinen – unterscheidet sich deutlich von der erneuerten Ostmauer. Trotz der kleinformatigen Bauweise, ist zur Zeit keine Bewegung im Mauerwerk zu erkennen, was auf ein relativ junges Alter dieser Mauer schließen lässt.
Die Südmauer dürfte hingegen die älteste, noch erhaltene Mauer im Bereich der heutigen Kircheneinfassung sein. Vor einigen Jahren konnte der Schreiber dieses Berichtes bei Erdarbeiten an der Innenseite des Mauerfundaments karolingisches Mauerwerk feststellen. Dieses hat das Aussehen einer Fischgräte: Steinplatten werden unter einem Winkel von 45° vermauert. Die nächste Steinlage, wieder unter 45°, aber gegenläufig, ergibt das typische Bild. Man spricht dann auch von „Fischgrätenmuster“.
Verlängert man im Geiste die westliche Kirchenfront nach Süden, so trifft diese Linie die heutige Kirchenmauer in etwa an der Stelle, an der auf dem alten Plan die Ecke des Kirchengrundstücks verlaufen ist. Die Mauer, die in diesem Bereich wegen des Denkmals streckenweise unterbrochen ist, wird im Verlauf nach Westen, stellenweise mit Ziegeln, die ins 20. Jahrhundert zu datieren sind, fortgeführt.

Muschelstein

In der Südostecke der Mauer ist im obersten Bereich ein Stein eingemauert, der eine Muschel zeigt. Das Fundstück dürfte von dem Oberteil eines barocken Grabsteins stammen. Da die Muschel im Mittelalter ein Zeichen der Pilger war, stammt dieses Relikt vielleicht von dem Grabstein eines Bauschheimer Pilgers.

Jürgen Hubbert
Bauschheim
27. April 2012